Berichte

ver.di Aktionswoche | Gute Löhne - Gute Rente

ver.di Aktionswoche | Gute Löhne - Gute Rente

Aktionswoche - Gute Löhne - Gute Rente ver.di Aktionswoche - Gute Löhne - Gute Rente

Jeder Zweite künftig von Altersarmut bedroht - Regierung muss handeln

Die Rente muss für ein gutes Leben reichen - ver.di-Aktionswoche vom 19.06. bis 23.06.2017

Wer ein langes Arbeitsleben hinter sich hat, darf im Alter nicht arm und auf staatliche Hilfe angewiesen sein. Aber genau dieses Schicksal wird immer mehr Menschen treffen, wenn die jetzige Rentenpolitik fortgesetzt wird. Deshalb fordern die Gewerkschaften im DGB gemeinsam einen Kurswechsel bei der Alterssicherung: Der Sinkflug der Renten muss gestoppt werden, das Niveau der gesetzlichen Rente muss stabilisiert und wieder angehoben werden.

Deswegen ist ver.di auch diesmal vor Ort in den Betrieben. Unter dem Motto der Aktionswoche "Gute Löhne - Gute Rente" informiert ver.di ihre Mitglieder rund um das Thema Rente. An vielen Standorten in Baden-Württemberg wurde das Thema Rente mit kreativen Aktionen thematisiert, diskutiert und kritisch beläuchtet! In unserer Bildergalerie könnt Ihr Euch ein paar Eindrücke dazu ansehen.

Die gesetzliche Rente stärken
Für die allermeisten Rentnerinnen und Rentner ist und bleibt die gesetzliche Rente die wichtigste, verlässlichste und oftmals auch einzige Altersversorgung. Natürlich ist es auch gut und wichtig, die Betriebsrenten zu stärken. Aber das kann eine gerechte staatliche Sozialpolitik nur ergänzen und nicht ersetzen.

Durch gute Arbeit bessere Renten schaffen
Die Höhe der Rente hängt an der Höhe des Arbeitseinkommens und der Art der Beschäftigung. Den besten Schutz vor Altersarmut bietet sozialversicherte Beschäftigung mit gutem Lohn. Um Altersarmut zu verhindern brauchen wir deshalb:

  • einen ausreichenden und stetig steigenden gesetzlichen Mindestlohn
  • steigende Tariflöhne
  • mehr Vollzeit- statt Teilzeitbeschäftigung
  • mehr sozial gesicherte Beschäftigungsverhältnisse
  • die Einbeziehung aller Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung
  • eine Ausweitung der Tarifbindung, damit es für gute Arbeit auch gute Löhne gib

Kleine Renten deutlich aufwerten
Niemand ist dagegen gefeit, durch Unfall oder Krankheit nicht mehr arbeiten zu können oder für längere Zeit arbeitslos zu werden. Neben langen Beschäftigungszeiten mit zu niedrigen Einkommen sind es die persönlichen Wechselfälle des Lebens, die Menschen am häufigsten in Altersarmut stürzen.

Schon heute sind zeitweise mehr als eine Million Ältere auf staatliche Grundsicherung angewiesen. Und das oft nach einem langen Arbeitsleben!

Deshalb brauchen wir dringend eine Aufwertung der kleinen Renten und eine bessere Alterssicherung für Langzeitarbeitslose und Erwerbsgeminderte. Unser reiches Land muss und kann allen Menschen ein Alter in Würde sichern.

Rente muss den Lebensstandard wahren
Das Ziel, den erreichten Lebensstandard auch nach dem Erwerbsleben zu erhalten, ist derzeit praktisch aufgegeben worden, weil sich das Rentenniveau im Sinkflug befindet. Wichtig zu wissen: Wenn Fachleute von Rentenniveau sprechen, ist damit nicht die Höhe einzelner Renten im Verhältnis zum letzten Einkommen gemeint, sondern eine statistische Kennzahl, mit der die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung insgesamt beziffert wird. Eben dieses Leistungsniveau wurde in den letzten Jahren immer weiter gesenkt. Vor zehn Jahren lag es noch bei 53 Prozent, derzeit sind es rund 48 und künftig soll es weiter absinken.

So wirkt das Rentenniveau
Ein konstruiertes Beispiel kann zeigen, was ein höheres oder niedrigeres Rentenniveau bewirkt: Wenn „Max“ heute 2.500 Euro verdient und bei diesem Verdienst 40 Jahre lang arbeiten würde, bekäme er beim heutigen Niveau eine Bruttorente von 1.004 Euro, nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung blieben 894 Euro Rente vor Steuern (West, ab 1.7.2017). Wäre das Rentenniveau heute schon auf 43 Prozent gesunken, was in den kommenden Jahren droht, bekäme Max 93 Euro weniger vor Steuern ausbezahlt. Aber umgekehrt, bei einem auf 53 Prozent angehobenen Rentenniveau, erhielte Max 93 Euro mehr vor Steuern als heute. Das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung ist also entscheidend für die Rentenhöhe und damit für die Lebensqualität im Alter. Deshalb muss es jetzt dringend stabilisiert und im zweiten Schritt wieder angehoben werden.

Das Rentenniveau ist wichtig
Je niedriger das Rentenniveau, desto größer auch das Risiko, im Alter auf Grundsicherung angewiesen zu sein. Für eine Rente wenigstens in Höhe der staatlichen Grundsicherung von rund 795 Euro müsste Max mit seinem Einkommen von 2.500 Euro beim heutigen Niveau rund 36 Jahre arbeiten, bei einem auf 43 Prozent abgesenkten Niveau rund 40 Jahre und bei einem auf 53 Prozent angehobenen Niveau „nur“ 32 Jahre.

Für ein langes und gutes Leben
Schön, dass wir immer länger leben. Sorgen wir dafür, dass wir das im Alter ohne Armut und Not genießen können. Länger leben darf nicht automatisch länger arbeiten bedeuten. Wer will und kann soll länger tätig sein und damit seine Rente verbessern. Aber für eine auskömmliche Rente soll niemand über 65 hinaus arbeiten müssen.

Eine gute Rente ist bezahlbar
Zur Finanzierung guter Renten ist zweierlei nötig: Zum einen muss das derzeit gültige Prinzip, nach dem nicht die Renten, sondern die Rentenbeiträge stabil gehalten werden, korrigiert werden. Denn eine starre Beitragsobergrenze führt zu sinkenden Renten. Höchstes Interesse der Beschäftigten muss aber sein, dass ihre Rentenbeiträge das Alter sichern und nicht in Altersarmut führen. Dazu werden die Beiträge etwas steigen müssen. Zum anderen können wir in unserem immer produktiveren Land künftig gut und gerne mehr Steuermittel in die Finanzierung auskömmlicher Renten und die Verhinderung von Altersarmut stecken.

Gute Renten sind möglich.
Kämpfen wir gemeinsam für einen Kurswechsel.

Stärken wir die gesetzliche Rente!